Das Spiel ging so los, wie das Hinspiel endete. Dann fiel ein Tor, die Köpfe machten langsam schlapp und der Trainer versuchte Einfluss zu nehmen. Insgesamt krankte es an verschiedenen Ebenen, allerdings war auch nicht alles schlecht. Man sagt ja gern, dass diese Europapokalspiele aus 4 Halbzeiten bestehen. Und genauso war’s hier auch. Die Partie knüpfte genau da an, wo das Hinspiel aufhörte. Nahtlos. Die Grundausrichtungen beider Mannschaften waren identisch. Schalke machte das Spiel, so mehr oder weniger, und die Angriffe aber nie so wirklich zu ende. Donezk versuchte kompakt zu stehen und zu kontern. Bedes gelang nur mäßig gut. Da dieses Spiel sehr emotional diskutiert wird, möchte ich hier mal unterscheiden in dem was gut war und was nicht. Denn tatsächlich fand ich nicht alles schlecht. Das Positive Breitenreiter sagte nach dem Spiel, dass die ersten 10-15 Minuten von Schalke recht gut waren, aber dann irgendwie die Luft raus war und er auch nicht genau wisse warum. Nun ist er Medienprofi und wirft in Pressekonferenzen den Journalisten gern ein paar Knochen hin. Darum möchte ich die folgenden Zeilen nicht als Wiederspruch oder gar Kritik verstehen wissen. Denn meiner Meinung nach Spielte Schalke bis zum 0:1 und mit Abstrichen auch noch bis zum 0:2 gar nicht so schlecht. Schachtar brauchte nur knapp eine Viertelstunde bis es ins Spiel fand. Sie erhöhten dann spürbar den Druck und Schalke kam damit nur schlecht zurecht. Doch dazu später mehr. Gegen den Ball Der Anfang war nämlich eigentlich ganz ordentlich. Schalke versuchte relativ erfolgreich Donezk vor Probleme zu stellen. Besonders auffällig war, wie Schalke das Aufbauspiel komplett aushebelte. Bis zum ersten Tor kamen die Ukrainer ausschließlich über Abschläge in Schalkes Hälfte und verloren den Ball dort dann recht schnell. Nur zwei Spieler haben mehr Pässe gespielt als der Torhüter, das ist ein deutliches Zeichen, dass Donezk nie wirklich ins Spiel fand. Schalke stellte das Feld zu und ließ Donezk wenig Raum. So gab es immer wieder Spieler in Orange durch das Mittelfeld dribbeln, weil es keinerlei Abspielstationen gab. Letztlich konnte der Ball so immer ohne größere Gefahr geborgen werden. Und auch Konter wurden so fast (!) immer im Keim erstickt. Mit dem Ball In Ballbesitz schaffte es Schalke sich recht gut nach vorne zu spielen. Donezk versuchte zwar auch Druck aufzubauen, doch besonders zu Beginn des Spiels kam Schalke da gut durch. Oft war zu sehen, wie der Ball am Flügel war, sich ein Schalker Offensivspieler von Schachtars 4er-Kette löste und zurück in den Zwischenlinien raum kam, meist war das Belhanda, und so komplett frei stand und viel Platz im 10er Raum hatte. Dann wurde der Ball dort weiterverteilt. Das hat wirklich gut geklappt. Auch, wenn Schachtar sich dann mal einigelte, verlagerte Schalke schön und häufig. Generell wird sowas oft kritisiert (jetzt spielen die schon wieder hinten rum), objektiv gesehen ist das aber ein probates Mittel (und eine der wenigen sinnvollen Methoden überhaupt) um tiefstehende Defensiven zu sprengen. Seiten wechseln, den Gegner auseinander ziehen und schnell ran an den Speck. Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde das noch ruhig weiterverfolgt und Seitenwechsel konzentriert ausgespielt. Das Nicht-So-Positive Der Rest des Schalker Spiels war dagegen wenig positiv. Ich möchte hier betonen, dass für mich das Spiel mit dem 0:2 vorbei war. Mental ist die Mannschaft nicht in der Lage sich danach zurück zu kämpfen. Das liegt in den Köpfen und im Bewusstsein, woran es am Spiel zurzeit krankt, jedes einzelnen. Das ist Menschlich, und eine ganz andere Baustelle als die Geschwindigkeitsbegrenzung Dass die Konter nicht sauber ausgespielt werden, brauche ich vermutlich nicht mehr erwähnen. Hier fehlte es allerdings an viel Grundlegenderem: Der Geschwindigkeit. Damit meine ich nicht die individuelle, sondern die Gruppengeschwindigkeit. Besonders Sané und Schöpf zeigten auch hier, dass sie pfeilschnell sind. Allein eingebunden wurde das so gar nicht, weil die einzelnen Mannschaftsteile oder –gruppen in der gegnerischen Hälfte lethargisch agierten. Das betrifft vor allem die eben angesprochenen Seitenwechsel. Nach der sauberen Verlagerung nutzte Schalke das Moment überhaupt nicht aus, sondern verzettelte sich sehr früh. So dass wieder verlagert werden musste bis Schalke irgendwann den Ball verlor und sich einen Konter fing… Abstimmungsprobleme Schalke hatte sich vorgenommen Tore zu schießen. Das war deutlich. Schon früh. Man wollte früh in Führung gehen und nachlegen. Wenn Schachtar den Ball hatte, dann bitte nur in ungefährlichen Zonen und am liebsten auch nicht zu lange, um selbst direkt zum Tor zu stürmen. Schöner Plan. Eigentlich. Das Problem dabei war die eben schon beschriebene Lethargie. Bei jedem Ballverlust versuchte Schalke ein Gegenpressing, was auch gar nicht zwingend schlecht war, aber sie verpassten den Zeitpunkt sich stärker vom Ball weg und weiter nach Hinten zu orientieren. Einige machten das früher als andere und rissen so Lücken, die andere wiederrum versuchten zu stopfen und einzelne Gegenspieler aus den Augen verloren. So war Schalke sehr Konteranfällig. Dazu kamen noch Kommunikationsprobleme intern. Dem 0:1 ging etwa ein Missverständnis zwischen Goretzka und Neustädter voraus. Im Angriff landeten immer wieder Bälle im nirgendwo, weil der Passgeber und der Passempfänger eine Situation unterschiedlich interpretiert haben. Donetzks Druck Nach 10-15 Spielminuten fand Schachtar in die Partie und erhöhte den Druck. Bei Schalke war niemand in der Lage dem standzuhalten. Nicht individuell und meist nur mit Mühe und Not in der Gruppe. Da das frühe Tor nicht gelang wurde Schalke mit laufender Spielzeit immer nervöser. Fehlpässe und andere Flüchtigkeitsfehler häuften sich. Das interessante hierbei ist, dass das Ganze, von außen betrachtet, völlig grundlos ist. Denn erstens hat Schalke einiges an Spielern, die individuell mit hohem Druck gut klar kommen und als Gruppe sowas eigentlich gut umspielen können. Max Meyer hätte der Partie gut getan, da er mit allen eingespielt ist und im Zentrum mit solchem Druck gut klar kommt. Breitenreiter ändert die Ausrichtung Persönlich glaube ich nicht, dass das 0:1 Schalke das Genick brach. Auch nicht das 0:2. Für mich war es der Moment als Goretzka ausgewechselt werden musste. Auch er hat zuvor keine großartige Partie gemacht, aber mit der Auswechslung änderte André Breitenreiter die Grundausrichtung von Schalke 04. Er zog das komplette Spiel auf Links, vermutlich weil er sah, dass das Team stark verunsichert wirkte und unterstützen wollte. Zu Beginn war die Ausrichtung, wie zurzeit immer, ein Zick-Zack. Ball vom Torhüter oder Innenverteidiger zum Außenverteidiger, dann zum 10er nach innen, nochmal raus um dann zentral im Strafraum den Abschluss suchen. Innen, außen, innen, außen, viel über Halbräume. Die meisten Mannschaften fokussieren sich auch einen Aspekt (also innen oder außen) und haben dadurch ein paar Probleme. Nachdem Goretzka raus musste stellte Breitenreiter um auf eine Flügelorientierung, auf reines Flankenspiel im 4-4-2. Der Halbzeitwechsel unterstrich das noch, Aogo als Flankenmaschiene (zumindest im Vergleich zu Kolasinac) kam. Die Krux dabei: Schachtar hat einen besonderen Flügelfokus. Schalke machte mit der Umstellung also Donezk das Leben leichter. Angriffe waren leichter auszurechnen und abzufangen. Und selbst wenn dann mal eine Flanke durch kam, so waren davon nur die wenigsten gut (Masse statt Klasse) und die meisten von Schachtar relativ einfach zu verteidigen. Sonst noch so… Über Einzelleistungen lasse ich mich eher selten aus. Ich fand es allerdings interessant zu sehen, dass Huntelaar offensichtlich am Dienstag Arsenal – Barcelona geguckt hat. Er spielte wie ein Messi-Özil Mix. Nur ohne die Qualität. Wollte mit strahlendem Beispiel voran gehen, verwirrte aber nur alle und verlor den Ball. Insgesamt war’s ein extrem schwaches Spiel, bei dem zwar nicht alles schlecht war, aber eben das meiste. Und es verschlimmerte sich während der Partie noch. Deutlich. Das offensichtliche mentale Problem der Mannschaft wollte der Trainer durch eine Änderung der Ausrichtung adressieren, vercoachte sich dabei jedoch krass. Ich persönlich hätte eher zu Aogo und Højbjerg zentral als Alternativen/Zusatzpersonal im Zentrum gegriffen.
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