Der Schalke-Fanclub-Dachverband (SFCV) steht seit Wochen in der Kritik. Es gibt Unklarheiten in den Bilanzen und einigen Finanztransaktionen in den vergangenen Jahren. Weil es nur im Sinne des Vereins und aller seiner Mitglieder sein kann, diese Unklarheiten aufzuklären, täte vielleicht auch frischer Wind im Kontrollgremium ganz gut. Gestern präsentierten sich einige der wohl sieben Kandidaten dem Wahlausschuss, die für die Wahlen bei der nächsten Jahreshauptversammlung kandidieren wollen. Frische Köpfe könnten hier ja vielleicht ein guter Anfang sein. Am Donnerstag, 17.. Dezember, ist die turnusmäßige Vollversammlung des Dachverbandes, zu der fristgerecht bis acht Wochen vorher postalisch eingeladen worden ist. In jedem Jahr wählt die Mitgliederversammlung zwei Mitglieder für den Aufsichtsrat neu. Er besteht aus sechs Personen, von denen zwei qua Amt in den Aufsichtsrat gehören: Ein Vertreter des FC Schalke 04 ist gesetzt und ein von den Bezirksleitern ermittelten Sprecher. Der SFCV ist als Dachorganisation aller Fanclubs in 22 Bezirke aufgeteilt, die das ganze Bundesgebiet abdecken. Jeder Bezirk hat einen Bezirksleiter, der als Kontaktmann zwischen dem SFCV-Vorstand und den Fanclub-Vorständen des jeweiligen Bezirks arbeitet. Es bleiben also vier Posten, von denen jedes Jahr zwei neu besetzt werden. So wählt also die anwesende SFCV-Mitgliedschaft jedes Jahr zwei Aufsichtsräte für jeweils zwei Jahre neu. Für die Kandidaten gilt als Auflage, dass sie selbst Mitglied im SFCV sein müssen. Wer Mitglied in einem dem SFCV angeschlossenen Fanclub ist, ist gleichzeitig auch SFCV-Mitglied. Im Zuge der Ungereimtheiten wurden weitere Voraussetzungen bekannt, die auch so in der Satzung des Dachverbandes stehen: “Mitglied des Aufsichtsrats kann nur werden, wer mindestens drei Jahre ein ehrenamtliches Amt beim SFCV ausgeführt hat oder mindestens für 5 Jahre Mitglied im Vorstand eines im SFCV eingetragenen Fan-Clubs war.” (§ 13 (1) ) Die Kandidaten für die Wahl zum Aufsichtsrat bestimmt der Wahlausschuss. Der besteht seinerseits aus sechs Personen, von denen jedes Jahr zwei Posten neu vergeben werden. Dieser Wahlausschuss hatte nun also die Personen, die in diesem Jahr kandidieren wollen, am Samstag zu einer Art Bewerbungsgespräch eingeladen. In den kommenden Tagen wird der Wahlausschuss vermutlich die Entscheidung bekannt geben, wer zur Wahl zugelassen wird und wer nicht. Der Aufsichtsrat hat übrigens die Funktion, die Arbeit des Vereinsvorstandes zu kontrollieren. Die Arbeit als Aufsichtsrat ist ein Ehrenamt, während einige Vorstandsmitglieder des SFCV hauptamtlich arbeiten. Der SFCV hat übrigens in seinem “Blauen Faden” als Hauptzweck des Vereins verankert, die Fanclub-Kultur zu erhalten. Die entstand in den 70er- und 80er-Jahren auf Schalke. Der Dachverband soll die Interessen der Fanclubs bündeln und den Kontakt zum FC Schalke 04 pflegen. Dabei hat er im Laufe der Jahre unter anderem die Aufgabe übernommen, für den Verein die Verteilung von Karten an Fanclubs zu regeln. Oft wird dem Dachverband angekreidet, er geriere sich als Sprachrohr aller Fans des FC Schalke 04. Der zentrale Kritikpunkt lautet oft, dass in den Fanclubs zwar mehr als 100.000 Schalkefans organisiert sind, aber dass er bei weitem damit nicht für alle Schalkefans sprechen kann, deren Zahl auf weit über 1 Million geschätzt wird. In Fanclubs organisieren sich meistens die Fans, die sich in ihrem Wohnort – oftmals weit weg von Gelsenkirchen und oftmals in einer Art Schalke-Diaspora – mit gleichgesinnten vernetzten wollen, um gemeinsame Fahrten zu Spielen zu organisieren. Viele Fans aus dem näheren Umland ist eine solche Vernetzung unter dem Dach eines Fanclubs aber nicht wichtig, denn sie planen ihre “Anreise” zumindest zu Heimspielen ohnehin individuell. Viele Fanclubs haben sich seit Ende der 90er-Jahre auch vor allem deshalb gegründet, um einfacher an das damals rarer werdende Gut Karten zu kommen. Dadurch, dass die Nachfrage nach Karten für Heim- und Auswärtsspiele in den letzten Jahren weit über dem Angebot lag, hat sich auch die Machtposition des Dachverbandes verstärkt: Da er Kontingente kontrolliert und über Bezirks-Kartenausschüsse verteilen kann, sind die Fanclubs von ihrer Dachorganisation abhängiger geworden. Blicken wir zurück zur Gründungsabsicht: Darin ging es um Hilfestellung bei der Gründung von Fanclubs und die Vertretung der Interessen gegenüber dem FC Schalke 04. Der Dachverband ist zuletzt in die Kritik geraten, weil finanzielle Unklarheiten in den Büchern aufgetaucht sein sollen. Aufsichtsratsmitglied Ender Ulupinar spielt dabei wohl eine zentrale Rolle: Er äußerte die Vermutung und forderte beim Vorstand eine Prüfung der Belege ein. Diese soll ihm verweigert worden sein mit dem Vorwand, er erfülle die Vorgaben nicht, die ein Aufsichtsratsmitglied zu erfüllen habe: Demnach müsse man drei Jahre im Vorstand eines angeschlossenen Fanclubs oder fünf Jahre ehrenamtlich für den Dachverband gearbeitet haben. Pikant: Das brachte der Dachverbandsvorstand jetzt vor – der Wahlausschuss, der für die Zulassung einer Kandidatur zuständig ist, muss demnach einen Fehler gemacht haben, der bis dato entweder nicht aufgefallen war oder zumindest nicht angeprangert wurde. Erst als Ulupinar “auffällig” wurde, machte man darauf aufmerksam. Diese Geschichte, die sich Anfang August abspielte, brachte einen Stein ins Rollen – die Schalke-Unser-Redaktion hat das recherchiert und hier nachgezeichnet. Interessant wird sein, wie sich der Vorstand zu dieser Geschichte am 17. Dezember weiter positioniert. Aber interessant wird auch die Wahl zum Aufsichtsrat – denn dort arbeiten Leute, die zentrale Aufgaben haben: In § 14 der Vereinssatzung sind sie festgehalten. Der Aufsichtsrat kontrolliert die Wahrnehmung der Vereinsaufgaben durch den Vorstand und berät ihn. Er bestellt ihn, beruft ihn ab und beschließt seine Geschäftsordnung. Und: “Vor jeder ordentlichen Mitgliederversammlung entscheidet der Aufsichtsrat über die Empfehlung an die Mitgliederversammlung zur Entlastung des Vorstands.” Man darf gespannt sein, ob er es diesmal macht – denn noch sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Essen anhängig. Und man darf gespannt sein, wen die Versammlung in den Aufsichtsrat hinein wählt. Vielleicht ja frische und belastete Köpfe, die dem ganzen sicherlich gut täten.
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